#104 Wie spreche ich mit jemanden über psychische Probleme?

27. Juli 2022

Psychische Probleme am Arbeitsplatz nehmen zu. Die Statistiken der Krankenkassen belegen das, nicht erst seit Corona, eindrücklich.

Doch immer noch fällt es den meisten Menschen schwer über ihre psychischen Probleme zu sprechen. Oder als Freund*in, Kolleg*in, Familienmitglied oder auch als Führungskraft diese Themen anzusprechen. Selbst viele Ärzte (nicht Psychiater und Psychotherapeuten) haben immer noch Probleme solche Gespräche zu führen. Letztendlich haben wir es alle nicht gelernt. Und in einer leistungsbetonten Gesellschaft und bei so vielen angeblich „sozialmedialen Erfolgsmenschen“ wird das Thema immer noch tabuisiert.

Wie kannst du also so ein Gespräch führen? Hier 8 Tipps von der INQA – Initiative Neue Qualität der Arbeit (mit meinen persönlichen Ergänzungen),als niederschwelliger Einstieg in ein solches Gespräch.

  1. Frage dich erst einmal, warum du ein Gespräch führen möchtest? Hat sich die Person in letzter Zeit verändert, und wenn ja, wie?
  2. Informiere dich, wenn es um Kollegen*innen geht: Gibt es Hilfsangebote im Unternehmen? Mache dich schlau. Besorge dir Infomaterial. Und frage dich vor dem Gespräch: Was befürchtest du? Vor welchen Reaktionen hast du ein bisschen Angst und wie möchtest du dann damit umgehen? Eine gute Vorbereitung ist wichtig.
  3. Führe das Gespräch aus einer Sorge heraus und formuliere das Gespräch als Angebot. Zwinge kein Gespräch auf. Wenn ein Gespräch stattfindet, geht es mehr ums zuhören, als das selbst sprechen. Also übe dich im Zuhören. Am besten an einem Platz, wo ihr nicht gestört sein.
  4. Sprich‘ über deine Beobachtungen und nicht, wie du diese bewertest. Spreche mit Ich-Formulierungen und nicht „Du bist…” . Lerne Pausen im Gespräch auszuhalten, ohne etwas zu sagen, um die Pausen zu füllen. Der andere braucht Zeit. Spiele nicht den Hobbypsychologen und stelle keine „Diagnosen“.
  5. Höre zu und frage nach. Deswegen arbeite mehr mit offenen als mit geschlossenen Fragen. Halte dich mit Ratschlägen zurück.
  6. Bedränge den anderen nicht. Lass‘ dem Anderen Zeit zu entscheiden, wie viel er oder sie mitteilen möchte.
  7. Bleibe empathisch und respektvoll.
  8. Biete deine weitere Hilfe an und bleibe in Kontakt. Behandele den anderen jetzt nicht anders. Vielleicht braucht es noch ein Gespräch. Im ersten Gespräch ist der Andere vielleicht ein bisschen überwältigt oder überrascht, und noch nicht Gesprächsbereit.

 

Hilfreiche Links:

INQA – Initiative Neue Qualität der Arbeit mit vielen Publikationen, Tipps und Downloadmaterialien:

https://www.offensive-psychische-gesundheit.de

 

Anlaufstellen bei psychischen Problemen:

Hilfe bei psychischen Problemen: Anlaufstellen | Stiftung Gesundheitswissen (stiftung-gesundheitswissen.de)

Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen sowie Hilfsangebote der AOK:

Fehlzeiten Definition Überblick | AOK – Die Gesundheitskasse

 

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